Verpackung als Geschaeftsidee

Tetra Pak - Der stille Riese: Geschichte und Geschäftsidee
Ein Schwede verbessert eine revolutionäre Verpackung aus den USA und führt sie in Europa ein.
Tetra = griechische Vorsilbe für vier
Tetraeder = mit vier gleichseitigen Dreiecken begrenzter Körper, dreiseitige Pyramide
Hans Rausing, der Sohn von Ruben Rausing, wurde zum Multimillardär, indem er die kleine Firma seines Vaters, Tetra Pak, zum multinationalen Konzern ausbaute. Er zählt zu den reichsten Männern der Erde. 1998 erreichte die Kommunalverwaltung, die für das Gebiet verantwortlich ist, auf dem sich sein Sommerhaus befindet, eine Bitte von Hans Rausing, um den Erlass von umgerechnet vier Euro Müllgebühren für sein Sommerhaus, weil er nur selten das sei und seinen Müll immer wieder mitnehme.
Als der Schwede Ruben Rausing an der Universität von Columbia in New York studierte, lernte er Milchverpackungen aus Karton kennen und das damit einhergehende Entstehen von Selbstbedienungsläden. In Europa wurde zu dieser Zeit die Milch noch mit dem Milchwagen durch die Straßen gefahren und jeder kam mit eigenen Flaschen und Behältern, um sich seine Milch abzufüllen. Ruben Rausing erkannte, dass Selbstbedienungsläden sich auch in Europa durchsetzen würden und damit die Nachfrage nach verpackten Nahrungsmitteln steigen würde. Er kam mit dem Wissen und der Geschäftsidee nach Schweden zurück, dass Getränke bald in stapelbaren Kartons aufbewahrt werden würden. 1929 gründete Ruben Rausing zusammen mit Erik Akerlund die erste skandinavische Verpackungsfirma und entwickelte die erste Papierverpackung für Mehl. "Eine Verpackung soll mehr sparen als sie kostet", war das Motto für seine Geschäftsidee. Mit der Milchverpackung kam er anfangs nicht voran, weil die Verpackungen nicht dicht hielten. Seine Frau Elisabeth gab ihm den Tipp, die Milch in einer Art Wurstpelle zu lagern. Dies brachte Rausing auf die Idee, den Karton mit einer dünnen Kunstoffschicht zu versiegeln - und er erfand auch gleich noch die Maschine für diese Geschäftsidee. Die Maschine verschweißte den beschichteten Karton zu einem Rohr, verschweißte anschließend das eine Ende, füllte die Flüssigkeit auf und verschweißte die Öffnung - alles in einem Arbeitsgang. Durch das Abschneiden der Schweissnähte entstand das Tetraeder, woraus sich der Name des Unternehmens ableitet: Tetra Pak.


Videoclip aus der Schweiz zur Geschäftsidee Tetra Pak.

1951 gründeten Ruben Rausing und Erik Wallenberg für ihre Geschäftsidee die Firma Tetra Pak in Lund / Schweden. Nach dem Krieg war Material knapp und da kam die Geschäftsidee genau richtig. 1952 lieferte Tetra Pak die erste Verpackungsmaschine an eine Molkerei in Lund, mit der Sahne in Papier-Pyramiden gefüllt wurde. Die neue Verpackung war stoßfest, stapelbar und damit Platz sparend, blieb länger frisch und war hygienischer, was zur Verminderung von Krankheiten beitrug – das überzeugte die Skeptiker. Das Fundament für den Siegeszug der Supermärkte und der Marken war gelegt. "Alles Müller, oder was?" [1953 erfand ein anderer Schwede den stapelbaren (Würfel)Zucker.] Der Gründer des italienischen Parmalat-Konzerns, der junge Tanzi, wurde zum Unternehmer, als er in Stockholm zum ersten Mal in Karton abgepackte Milch sah.
Die Söhne von Ruben Rausing, Hans und Gad Rausing, bauten die Geschäftsidee dann zu einer multinationalen Konzerngruppe aus und revolutionierten die Verpackungsindustrie.
1961 entdeckt das Unternehmen eine Methode, Milch für Monate haltbar zu machen, indem es die Milch kurzfristig hohe Temperaturen aussetzte. Die H-Milch und damit eine neue Geschäftsidee waren geboren, die keine Konservierungsstoffe mehr brauchte und keine Kühlung. Ein riesiger Markt.
1968 wurde die Pyramidenform abgelöst durch die Ziegelsteinform ("Tetra Brik"). Die Maße des Kartons waren standardisiert auf europäische Palettengrößen.
1991 kaufte das Unternehmen den Marktführer im Anlagenbau für die Nahrungsmittelindustrie Alfa Laval, erweiterte so seine Geschäftsidee und nannte sich 1993 um in: Tetra Laval. Tetra Laval war der einzige Anbieter, der dem Kunden alles aus einer Hand bieten konnte: von der Milchproduktion, über die Verpackungsanlage, bis zur Verteilung.
So wurde mit der Geschäftsidee aus einem Familienunternehmen ein Weltkonzern und Verpackung veränderte den Alltag wie Mikrowelle, Fax, Fernseher oder Handy.
Tetra Laval konnte immer mehr Flüssigkeiten eintüten: Saft, Wasser, Wein, Eistee, Dessert, Soße, Suppe, Dressing. 2002 verkaufte das Unternehmen 98 Milliarden Verpackungen über 165 Ländern. Mittlerweile gibt es sogar Tierfutter im Karton. Mit seiner Firma Tetra Recart startet Tetra Laval den Angriff auf die Blechdose. In den kommenden Jahren sollen Kartonverpackungen die Dosen- und Gläserkonserven aus den Regalen verdrängen - was mindestens einen Vorteil haben wird: keine Unfälle beim Dosenöffnen mehr. Allein in Großbritannien müssen jedes Jahr zwanzigtausend Menschen zum Arzt, weil sie sich beim Öffnen einer Dose verletzt haben.

* Lesetipp: „Verpackungen gestalten und herstellen“ von Ian Honeybone.: Ansicht bei Amazon