Spiegel: Erfindung und Geschäft
Heute kann sich jeder einen Spiegel leisten, das war nicht immer so. Im Mittelalter waren Spiegel nur etwas für die Wohlhabenden. Spiegel und die strahlenden Spiegelkabinette in den Palästen zeigten den Reichtum ihrer Besitzer.
Spiegel waren auch deshalb so teuer, weil auf ihnen Monopolgewinne lagen. Nur Venedig kannte das Geheimnis der Spiegelherstellung und ließ sich seine Spiegel teuer bezahlen. Venezianisches Glas war so kostbar wie Gold. Die Spiegel waren eine zentrale Säule für die Handelsmacht Venedig.
Die Geschichte des Spiegels
Der natürliche Spiegel war für die Menschen seit jeher die Wasseroberfläche. Die ersten, von Menschen hergestellten Spiegel waren aus Metall, zuerst aus Bronze, dann auch aus Kupfer, Silber und Gold.
Die Spiegel-Revolution kam um 1300, als es Venezianischen Glasbläsern zum ersten Mal gelang, Spiegel aus Glas herzustellen. Die Spiegel-Gilde siedelte sich auf der "Glasinsel" Murano bei Venedig an. Murano ist die berühmteste Laguneninsel, ein Kilometer nördlich von Venedig. Beherrscht wurden Glasschmelzen, Glasbiegen, Glaskunst. Auch für den Brandschutz wurde eine Insel gewählt.
Im 16. Jahrhundert schafften es die Spiegelhersteller von Murano, auf die Rückseite des Glases eine dünne Zinn- und Quecksilberschicht aufzutragen, wodurch die Legierung Amalgam entstand, die den Spiegel noch klarer und strahlender machte. (Erst der deutsche Chemiker Justus von Liebig ersetzte 1860 diese giftige Schicht durch das Auftragen von Silber.)
Videoclip über moderne Spiegel. Ein mechanischer Spiegel aus Holz, der mit dem Betrachter in eine Interaktion tritt.
Die Verteidigung des Spiegel-Monopols
Die Spiegelmacher von Venedig waren hoch angesehen und lebten im Wohlstand, waren dafür aber verpflichtet, das Geheimnis der Spiegelherstellung für sich zu behalten. Erst nach Jahrzehnten der des Lernens und Arbeitens durfte sich ein Glasmacher „Maestro“ nennen. Streng abgeschirmt lebten sie auf der Insel Murano.
Die Meister wurden von Spitzeln überwacht. Wenn ein Spiegelmacher Venedig verließ oder in Verdacht geriet, sein Wissen zu verraten, dann wurden ihm vom Venezianischen Rat Mordkommandos auf den Hals gehetzt.
Lesetipp: Der Roman „Die Glasbläserin von Murano“ von Marina Fiorato über die Glaskünstler von Venedig, ihre Kunst und ihr Geschäft:
Das Spiegel-Monopol wird gebrochen
Natürlich wurden aus ganz Europa Spione nach Venedig geschickt, um das Monopol zu brechen. Gelungen ist dies schließlich Ludwig XIV, der von einem überwältigenden Spiegelsaal für sein Schloss in Versailles träumte. Die Agenten des Sonnenkönigs überredeten Spiegelhersteller von Murano, in Frankreich ihr Glück zu suchen.
Für den Spiegelsaal in Versailles entwickelte 1688 der Meister Lucas de Nehou dann gleich noch eine neue Technologie, bei der geschmolzenes Glas auf einem Gießtisch gegossen und gewalzt wurde, und so besonders große Spiegel hergestellt werden konnten.
Heute sind es Touristen, die nach Murano fahren, auf der Suche nach der Geschichte von Glas und Spiegel. Noch heute haben die Glasmacher von Murano ihre Geheimnisse, die sie nicht preisgeben wollen. Das Wissen, die Rezepte und die Tricks werden nur von Generation zu Generation weitergegeben.
* Mehr über die Insel Murano vor Venedig, dem Paradies der Spiegel-Hersteller: http://de.wikipedia.org/wiki/Murano
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